Am Wochenende vor dem «Lock-down» beendeten wir in der Propstei Wislikofen den Kurs «GROSSE EXERZITIEN IM ALLTAG». Zum Abschluss verfassten die Teilnehmenden einen «Psalm», inspiriert von den Worten aus Psalm 63,2-9.

Wir teilen diese Psalmen mit Ihnen, um Ihnen Mut und Zuversicht zu schenken in dieser herausfordernden Zeit, die auf ihre Weise einer Wüstenwanderung gleicht…

Psalm 63,2-9

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche, meine Seele dürstet nach dir. Mein Leib schmachtet nach dir im dürren, lechzenden Land ohne Wasser.
3 So schaue ich dich im Heiligtum und sehe deine Macht und Herrlichkeit.
4 Denn deine Gnade ist besser als das Leben, meine Lippen sollen dich rühmen.
5 So will ich dich preisen mein Leben lang, in deinem Namen meine Hände erheben.
6 Wie an Mark und Fett wird meine Seele satt, und mit jubelnden Lippen singt mein Mund,
7 wenn ich deiner gedenke auf meinem Lager, nächtelang über dich sinne.
8 Denn du bist mir Hilfe geworden, und im Schatten deiner Flügel will ich jubeln.
9 An dir hängt meine Seele, deine Rechte hält mich fest.

 

PSALMEN DER KURSTEILNEHMENDEN:

 

im Dunkel
im Dunkel
stolpere ich
suchend
dem unsichtbaren Pfad entlang
ich finde sie
die Quelle
Waldtraut Mehrhof

 

Mein Psalm
Ich will Dich loben, mein Gott, für all das Gute, das mir widerfahren ist- unverdient, aus lauter
Gnade.
Danken will ich Dir, dass Du mich auf all meinen Wegen, den ebenen, den steinigen, den
krummen, begleitet und bewahrt hast.
Danken will ich Dir, dass meine Fehltritte nie ins Bodenlose führten, dass Du Flügel ausgebreitet
hast, als sich Abgründe auftaten.
Danken will ich Dir für alle Menschen, die meinen Weg gekreuzt haben, die mir zur Seite standen
und stehen, und mit denen ich auf dem Weg zu Dir unterwegs sein darf.
Amen
Franziska Erhardt

 

Mon psaume
Seigneur –
sois avec nous, ton troupeau de pèlerins,
guide-nous à travers le désert
et amène-nous aux sources de la vie –
Amen.

——

Mein Schöpfer,
sei mit uns
in Freud’ und Not
und führe uns
zu den Wasserquellen
des Heils.
Amen
Jean-Jacques Dünki

 

Psalmversuch
Gott, viele Kinder hast du in die Wüste geführt, bist ihnen dort begegnet, hast sie verändert zurückkehren lassen.
Ich begebe mich freiwillig in die Abgeschiedenheit, hoffe auf deine Gegenwart, darauf, dich hier mehr zu spüren als im alltäglichen Überfluss.
Wenn die Exerzitien auch ein Weg in der öden Abgeschiedenheit sind,
der Schweiss fliesst – öfter, weil Scham den Rücken hoch kriecht,
der Durst wächst und der Wasservorrat sinkt,
das Ziel sich in die nächtliche Dunkelheit verzieht,
so bist du unsichtbar bei mir,
Essen und Trinken, Dach und Bett zur rechten Zeit sind Zeichen deiner Liebe.
Und so will auch ich dich lieb haben.
Andreas Erhardt

 

Psalm
Als Kind spürte ich Dich ganz nahe. Du warst gütiger, lieber Gott, warst Zuflucht und Hoffnung.
Heute ahne ich Dich in mir, unfassbar, zu gross für meinen kleinen Geist.
Du gingst in mir verloren und leuchtest doch überall in mir und im Aussen auf.
Wie ein Irrlicht, unfassbar und doch spürbar in jedem Akt der Liebe, in allem Werden, jeder sich entfaltenden Blüte, in jedem Blick eines neu geborenen Kindes wie ewiger Frühling.
Wie bin ich verwöhnt. Meine Dankbarkeit übersteigt, was ich in Worten und Gesang ausdrücken kann.
Warum darf es nicht allen Menschen so gut gehen wie mir?
Warum braucht es Krankheit, Verzweiflung und Krieg auf der Welt?
Warum gibt es ungestrafte Bosheit? Folter und unendliches Leiden?
Ich werde das nie verstehen. Hartnäckig antwortest Du mir mit Schweigen.
Warum, Du Alleine, tust Du Dir das an? Warum? Wo bleibt Deine Selbstliebe?
Du machst mich sprachlos neben all meinem Loben, Staunen und Danken, ein Loblied kann ich so nicht singen.
Und allem Elend der Welt zum Trotz, ja Dir zum Trotz: Es bleibt mein Festhalten an der Liebe, an der Hoffnung und am Glauben an Sinn. Die will ich mir nicht nehmen lassen. Nie.
Diese mögen mich begleiten, auch wenn Du Dir noch so Mühe geben solltest, mich wegzustossen, wie Du es erbarmungslos mit den Kindern des Krieges tust, die verlassen und hungrig im Strassengraben sitzen, und nicht mehr weinen können.
Gott, Du Namen und Fassungslose, ich werde Dich immer zu lieben versuchen, immer, Dir selber zum Widerspruch, ermutigt durch die Sekundenfunken des gefühlten Findens.
Ich weiss, Deine Unfassbarkeit, Dich ganz zu erkennen, würde mich fassbar verbrennen.
So bleiben mir Danken, schweigendes Sein und Mitgefühl.
Johanna Ochsner