Auf die Frage, welches Buch der Weltliteratur den stärksten Eindruck auf ihn gemacht habe, antwortete Bertolt Brecht: «Sie werden lachen, die Bibel!»
Haben Sie gewusst, dass die ganze Bibel in nur 11 Tagen durchgelesen und angehört werden kann?

Seit letztem Sonntag, dem 2. Februar lesen wir in diesem alten dicken Buch, Seite um Seite. Wir begannen mit Literatur und Musik im Gottesdienst. ( „Adam und Eva, der mächtigsten Mythos der Weltgeschichte“ (Stephen Greenblatt) und Musik von Bach zu den Zehn Geboten und aus einer äthiopischen Liturgie). Unterdessen sind wir nach vielen sehr drastischen Schilderungen und einigen Mühen des Lesens (wegen der unbekannten und komplizierten Namen) der Geschichtsbücher bei den poetischen Büchern angelangt. Es steht zu vermuten, dass sich alle Lesenden auf die Psalmen und das Hohelied freuen.

Fast drei Viertel der Bibel erzählen uns, oft in verschiedenen Versionen, von all den Geschichten, die Jesus vorausgingen. Unabhängig davon, ob sie historisch greifbar sind, erkennen wir in Vielem Züge unseres eigenen Menschseins, unserer heutigen politischen und sozialen Verhältnisse, der allgemeinen Gültigkeit der Texte – dies ist einer der Gründe, die uns zu diesem Unternehmen bewogen. Indem in verschiedensten Sprachen von romanisch über hebräisch, georgisch, polnisch, französisch, griechisch, englisch und deutsch gelesen wird (die Zürcher Bibel liegt auf zum Mitverfolgen der Texte), zeigt sich die weltweite Gültigkeit dieser Geschichten Gottes mit den Menschen.

Was all den Lesenden und Hörenden Eindruck macht, ist die Atmosphäre von Ruhe und Meditation. Der für einmal gut abgeschirmte Kirchenraum bietet dazu trotz seiner Grösse eine Intimität, die alle, auch die zufällig vorbei Kommenden, in ihren Bann zieht.

Gerne lassen wir uns auf den ab Montag folgenden neutestamentlichen Teil der Bibel ein.

Das Bibel-Lesen in der Titus Kirche findet noch bis zum 12. Februar statt. Begleitend zu den Lesungen ist im Saal eine Ausstellung zur Bibel einzusehen. Faksimiledrucke und Bibeln aus verschiedenen Epochen und in verschiedenen Sprachen geben einen Eindruck von der Geschichte und der Verbreitung der Bibel.

Zu den Lesungen sind alle (auch nur für kurze Zeit) willkommen, und wer will, kann selbst einen Abschnitt aus der eigenen oder einer aufliegenden Bibel vortragen, gerne auch in der Muttersprache. Gelesen wird täglich in 20-minütigen Abschnitten von 7 bis ca. 21 Uhr, mit Musik und
Stille jeweils um 9, 12 und 18 Uhr
. Begleitend werden in einer Ausstellung Bibeln aus verschiedenen Epochen und in diversen Sprachen präsentiert. Ausserdem trägt das Forum für Zeitfragen im Rahmen seiner Themenreihe ‹Faszination Heilige Schrift› zwei Abendveranstaltungen bei.

In der Presse ist dieser „Lese-Marathon“ auf Interesse gestossen, hier finden Sie einen Bericht und ein Podcast zum Nachlesen bzw. Nachhören:

» www.ref.ch/news/ueber-2000-seiten-in-11-tagen-gelesen/

» www.srf.ch/news/regional/basel-baselland/meditatives-vorlesen-die-titusgemeinde-liest-die-ganze-bibel-in-11-tagen-vor