Virtuose der Frömmigkeit: Teilhard de Chardin (1881 – 1955) Jesuit,  verband eine rationale, naturwissenschaftliche Weltsicht mit mystischem Denken. So schreibt die NZZ am 13.1.2018. Wer war er?
1950 veröffentlichte Papst Pius XII. die Enzyklika «Humani Generis», die auch gegen das Denken Teilhards gerichtet war. Noch 1962 – im Jahr des Beginns des 2. Vatikanischen Konzils, das eine dialogische Öffnung zur modernen Welt einleitete – wurde die postume Verbreitung der Schriften Teilhards durch Zensurmassnahmen eingedämmt.
Teilhard kommt das Verdienst zu, die naturwissenschaftliche Beschreibung evolutiver Prozesse als theologische Herausforderung angenommen zu haben. Er hat dadurch die fällige Re-Interpretation einiger überlieferter Lehren der Theologie angestossen. Zunächst kann im Paradigma eines evolutiven Weltbildes der biblische Schöpfungsbericht nicht mehr wörtlich verstanden werden. Die Welt ist nicht in sechs Tagen erschaffen worden, der klassische Monogenismus, der lehrt, dass alle Menschen von Adam und Eva abstammen, ist nicht zu halten. Die Bilder von Paradies und Sündenfall sind religiöse Poesie, die zu denken gibt. Wer sie als historischen Bericht liest, liest falsch.
Zudem hat Teilhard Aussagen der klassischen Gotteslehre einer Revision unterzogen. Wenn Gott selbst in den Prozess der Evolution involviert ist, dann kann er nicht mehr der ewige und allmächtige Schöpfer sein, der seiner Schöpfung einfach gegenübersteht. Alles ist in Gott – und die Entwicklung des Alls läuft darauf zu, dass Gott alles in allem werde. Für ihn ein solcher «Panentheismus» mit dem personalen Gottesverständnis der Bibel vereinbar. Bei Teilhard wird die Differenz zwischen Gott und Welt unscharf.
Die römischen Rezeptionsblockaden sind mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965), das den Index der verbotenen Bücher abgeschafft hat, gefallen. Papst Franziskus hat nun in seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si!“ deutliche Sympathien für eine Kosmos-Spiritualität erkennen lassen und angesichts der ökologischen Krise für einen achtsamen Umgang mit dem „gemeinsamen Haus der Erde“ geworben. Dabei hat er auch positiv auf Teilhard de Chardin Bezug genommen. Der Präsident des vatikanischen Kulturrates, Gianfranco Ravasi, hat aus diesem Anlass ein offizielles Gesuch an den Papst gerichtet, Teilhard über sechzig Jahre nach seinem Tod zu rehabilitieren.

„Im Herzen der Materie
Ein Herz der Welt
Das Herz eines Gottes“