Madeleine Delbrêl war eine französische Schriftstellerin und Mystikerin. Wikipedia
Geboren am 24. Oktober 1904 in Mussidan, Frankreich
Gestorben am 13. Oktober 1964 in Ivry-sur-Seine, Frankreich

(aus Annette Schleinzer      Die Liebe ist unsere einzige Aufgabe – Das Lebenszeugnis von Madeleine Delbrel, Schwabenverlag Ostfildern 1994:

Gerade an einem Punkt spitzen sich zurzeit die unterschiedlichen Positionen einzelner Gruppierungen in der Kirche besonders zu: an der Frage der Evangelisierung. „GEHÖREN DIE MENSCHEN ZUR KIRCHE? ODER: IST DIE KIRCHE BEI DEN MENSCHEN?“ – auf diese beiden Fragen läuft letztlich der „Unterschied im zur Debatte stehenden Kirchenbild“ hinaus. MADELEINES VERSTÄNDNIS UND PRAXIS DER EVANGELISIERUNG IST EINE ABSAGE AN JEDE ART VON VEREINNAHMENDEM FUNDAMENTALISMUS. So wie der Glaube für sie selbst das „Gewusst-wie des Lebens“ ist, so sieht sie in der Verkündigung dieses Glaubens vor allem eine Vermittlung von Leben; sie ist leidenschaftlich daran interessiert, dass jeder Mensch um die Lebensmöglichkeiten weiss, die Jesus Christus eröffnet hat. Die „gute Nachricht“ vom lebendigen Gott als einer Befreiung von Einsamkeit und Sinnlosigkeit – dies gilt es dann zu vermitteln, von Angesicht zu Angesicht, ohne „Pläne, Taktiken und Methoden“. Wie Jesus Christus einzelne Menschen voll Liebe angeschaut hat und ihnen das gab, was sie brauchten, so besteht die „Missionierung“ für Madeleine in allererster Linie in einer personalen Begegnung von Mensch zu Mensch, in einer Sprache des Herzens und der Güte, die die Sprache Jesu ist. Dies bedeutet auch, „mit dem eigenen Herzen auf die Herzen der anderen und auf ihr Hoffen zu lauschen“, sie darin zu stärken und mit ihnen – von Christus her – an einer menschenwürdigen Gestaltung des Lebens zu arbeiten.

Madeleine ist sich freilich dessen bewusst, dass eine solche Weise der Evangelisierung einer ständigen Herzenserneuerung bedarf. Es ist für sie genau diese Umkehr zur Liebe, die die Wurzel eines jeden Apostolats ausmacht – denn sie weiss, dass jedes missionarische Konzept, jede pastorale Strategie letztlich wirkungslos ist, wenn sie nicht mit einer Bekehrung in den eigenen Reihen verbunden ist. Das heisst aber, „dass viele Herzen sich umkehren müssten und am Ort, wo sie sind, explodieren, damit sie die Maske der Welt aufsprengen und dort, wo sie sind, das wahre Antlitz Christi erscheine“.

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