Home Forums GRUNDKURS MYSTISCHE SPIRITUALITÄT Von guten Gaben (s.62ff.)

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  • samuel.sarasin
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    Fast schon zynisch beginnt Eckart sein Zitat aus dem Unser Vater unser, dass wir rufen: «Herr, dein Wille geschehe» und wenn er dann geschieht, dann sind wir auch nicht zufrieden (stimmt doch, oder?), obwohl Gott uns doch das Beste will (nicht: das Angenehmste!). Man bleibt im Frieden (mit sich selbst, d.h. auch mit Gott), wenn man Gottes Willen annimmt. Solange man ihn nicht annimmt und anders möchte, ist man nie im Frieden mit sich selbst. (Frage: Stimmt das für auch mich?)

    Absatz 2 hat ein anderes Thema: Alles, was wir sprechen, muss von innen herauskommen (nicht von aussen in uns hineingepflanzt!) und in der Seele leben. Tief in der Seele lebt alles und ist alles gut!
    Im Weitergang unterscheidet Eckart zwischen Sinn, Leben, Sein und Himmel, Liebe. Bei der Liebe verweilt er wieder länger, sie ist für ihn «hoch im Rang»
    Hier liefert Eckart seine Deutung des «Liebesgebotes» und führt es als «Gebot» ad absurdum:
    S. 63: Es geht nicht darum, dass man seinen Nächsten in demselben Sinne lieben soll wie sich selbst, sondern «ebenso sehr». Das ist für Eckart nicht schwer, da er nicht vom «Gebot» ausgeht, sondern vom «Lohn»: Und jetzt kommt der entscheidende Satz: WER GOTT LIEBT, MUSS AUCH SEINEN MITMENSCHEN LIEBEN» WIE SICH SELBST. So ist der Mensch allzeit in «Freuden, Ehren und Nutzen», er ist buchstäblich im Himmelreich und (auch wichtig!), er hat stärkere Freuden, als wenn er nur um sich selbst kreist!
    Im nächsten Abschnitt zeigt sich der «Herzenskenner Eckart»:
    Er weiss, dass Menschen oft viel mehr an der eigenen Ehre gelegen ist als an der eines anderen. Aber: wenn man nur das Eigene sucht, dass findet man Gott nicht, es sei denn man sucht NUR Gott! (an anderer Stelle sagt Eckart: «Geh deinem Gott entgegen bis zu dir selbst». Für Eckart ist Gotteserkenntnis = Selbsterkenntnis»!)  Man sucht etwas MIT Gott (und benutzt Gott gleichsam als Kerze) und das ist nichts, darum findet man ihn auch nicht.
    Und Eckart schwingt sich zu dem Satz auf: «Alle Kreaturen sind lauter Nichts», da alle Kreaturen ihr Sein von Gott her haben, nicht aus sich selbst! (beachte: «Kreaturen», nicht «Menschen», Eckart spricht hier über die Schöpfung, obwohl er sonst sehr menschenzentriert ist!)
    S.64: Und hier ist der berühmte Eckart-Satz: «Wer die ganze Welt nähme und Gott dazu, der hätte nicht mehr, als wenn er Gott allein hätte»! Denn Gott ist alles in allem! (Pan – En – Theismus!)

    Der nächste Abschnitt ist wie für heutige Kirchenmenschen geschrieben 😊 Wenn man viel Geld gäbe um damit Kirchen und Klöster zu bauen, dann «wäre das ein grosses Ding» (Eckart wertet also nichts ab!!!) NOCH mehr wäre es aber, wenn man viel Geld für nichts achten würde (Paulus sagt das: 1 Kor 7,29ff)

    Es folgt eine «eckartsche Schöpfungsspiritualität»: Bei der Erschaffung des Menschen war dieser so erbärmlich, dass Gott sich nicht in ihm bewegen konnte (Gott ist also gleich zu Beginn im Menschen!) Deshalb machte Gott die Seele sich gleich, damit sich Gott ihr hingeben konnte (nicht umgekehrt!) Gott gibt sich dem Menschen selbst zu eigen, deshalb muss der Mensch aus sich selbst herausgehen (denn Gott ist ja alles!), vgl. das Bruder Klausengebet: «Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir…»

    Gott gebiert seinen Sohn, das gefällt ihm sehr und er tut nichts mehr anderes, so «erblüht» aus beiden der Hl. Geist.
    UND SO GEBIERT DER VATER SEINEN SOHN IN MIR, SODASS ICH DER SOHN (DIE TOCHTER) BIN, so als gäbe es keine/n andere/n.

    Gottes Natur ist es zu geben, wenn wir demütig sind (=humilitas = Erdlinge, mit beiden Beinen auf der Welt stehend, wie schon oft besprochen…)

    S.65 Wenn wir das nicht sind, dann empfangen wir nichts und töten letztlich Gott! Ein harter Satz: Wenn wir nicht wir selbst sind, töten wir Gott in uns!
    Wenn die Seele leer ist, dann sendet Gott seinen Sohn in die Seele.
    Zum Schluss wünscht Eckart seinen Zuhörenden die Bereitschaft, Gott zu empfangen.

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