Home Forums GRUNDKURS MYSTISCHE SPIRITUALITÄT Von der Überfreude (s.151f.)

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  • samuel.sarasin
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    Vielleicht entsteht ja jetzt durch die Corona -Lockerungen zu etwas wie «Freude» -wenn auch keine «Überfreude» 😊. Schauen wir mal, wie Eckart das sieht:

    Gleich zu Beginn bekennt er, dass seine Liebe zu Gott weder vom Himmel nicht von der Hölle abhängig ist.
    Gott ist für ihn «Dreiheit in Einheit», und es gibt hier «Heimlichkeit» (gemeint: bei der Dreieinigkeit fühlt man sich «heimelig, daheim» – ein wunderschönes Wortspiel….).

    Und Eckart unterscheidet zwischen Gott (=Person) und Gottheit (=Gottes Natur) – wichtig für die heutige Diskussion um einen persönlichen Gott. Für Eckart ist Gott beides!
    Um das zu erklären, benutzt Eckart zwei Bilder: Das vom Fluss und das von Licht:
    Fluss: In ihm lebt die Einheit, sie bedarf nichts, was niemand verstehen kann(also müssen auch wir es nicht verstehen 😊)
    Licht: Es führt den Geist (=Menschen) in die Verborgenheit, in die Dunkelheit (nur scheinbar ein Widerspruch!). Bewusst spricht Eckart rätselhaft von der Dunkelheit des Lichts! Der Geist verliert beides – und doch ist es Leben (das erklärt viel, zum Leben gehört einfach alles, Licht, Dunkelheit…..)

    Gott ist in der Tiefe hoch und in der Höhe tief – was uns verborgen ist – rätselhaft.

    S, 152: Die Dreieinigkeit hat den Geist an sich gezogen, weswegen der Geist zuerst im «Wunder der Gottheit» stirbt, da er ja zur Einheit Gottes gehört und «nichts Extraes» sein muss. In Gott ist alles eins und es gibt keine Unterschiedenheit.
    In der Sprache von Eckart beruht der Geist also auf nichts (weil er alles in Gottes Einheit ist und nichts mehr für sich!), weder Licht, Dunkelheit, Materie noch Form.

    Eckart formuliert es wunderbar: «Ein Fünklein so nackt wie es geschaffen ist».

    Und für Eckart ist das Eine (=Gott) wortlos, wir können es nicht begreifen.

    Das Eine und das Eine schweben in einer Gleichheit, «gegeistet» und «entgeistet» (also voll Geist und ohne Geist). Da ist Gott (=ein hohes Wesen).

    Wo sich Gott entgeistet, da ist Dunkelheit in unerkannt bekannter Einheit. Aber auch das ist uns verborgen in der Tiefe der Stille. Und das ist von den Kreaturen nicht zu erkennen.

    Und jetzt kommts: Wir können das nicht verstehen, und genau darüber sollen wir uns freuen (dass wir es nicht können!). Und genau danach sollen wir streben (es eben nicht zu erkennen). Und IN Gott eilen (nicht: ZU Gott….).

    Genau das nennt Eckart die Überfreude, dass wir nämlich in Gott sind und er in uns!

    (JS 18.5.2020)

    Da wir uns am 1.Juni (Pfingstmontag) sowieso noch nicht live treffen können, stelle ich dann nochmal etwas ins Netz, bevor wir uns dann hoffentlich am 15.Juni wider um 18 Uhr in Titus sehen können.

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